Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen" Operation Cerberus, 12.02.1942

Als Fortsetzung meines Bauberichts zu Z-5 „Paul Jacobi“ möchte ich euch hier das Kernstück meines künftigen Dioramas vorstellen, welches ich vor 35 Jahren schon einmal gebaut habe und mich nun mit (hoffentlich) mehr Modellbauwissen und –fähigkeiten erneut daran wage: „Prinz Eugen“ zum Zeitpunkt der Operation Cerberus“, dem Durchbruch der schweren deutschen Einheiten durch den Kanal. Schon seit frühen Kindertagen war ich von diesem Thema fasziniert, da mein Vater Kurt F. Pohl – wie bereits mehrfach beschrieben – als Torpedomechaniker auf T-15 dieses Unternehmen mitfuhr. Das T-Boot stellte seinerzeit die backbord-achteraus-Sicherung für den „Prinzen“.
Bei der Frage, mit welchem Bausatz ich mein Vorhaben realisiere, fiel meine Wahl auf das Trumpeter-Modell. Der chinesische Hersteller bringt den „Prinzen“ in zwei verschiedenen Versionen heraus, einmal zum Zeitpunkt 1942 (Bausatz-Nr. 05766) und dann im letzten Bauzustand, 1945 zum Kriegsende (Nr. 05767).

Fatal nur, dass die Herren aus Fernost schlecht recherchiert hatten und einige Fehler auszumerzen waren! Augenfälligstes Manko waren die vier Torpedorohrsätze. Sogar in dem von mir verwendeten1942er Bausatz gibt Trumpeter die späte Version der Torpedowaffen wieder, mit jenen charakteristischen, vollverkleideten Waffenmeister-ständen. Diese wurden jedoch erst nach dem Cerberus-Unternehmen montiert!

Kurz nach dem erfolgreichen Kanaldurchbruch verlegte der „Prinz“ am 20.02.1942 gemeinsam mit der „Admiral Scheer“ und mehreren Zerstörern nach Norwegen. Tags darauf erhielt „Prinz Eugen“ einen Torpedotreffer des britischen U-Bootes „HMS Trident“, der ihm das komplette Heck wegriss. Im Zuge des mehrmonatigen Wertaufenthalts bei den Deutschen Werken in Kiel erhielt er sein neues Heck. Während dieser Zeit bekam er auch die modernisierten Torpedorohrsätze – und keinen Tag früher!

Zwei Möglichkeiten der Problemlösung: Entweder die vier falschen Rohrsätze umarbeiten oder den Tamiya-Bausatz kaufen, denn dort sind sie in der korrekten Form beigegeben! Zugegeben – ich war ein wenig bequem, habe nochmal Geld in die Hand genommen und den Tamiya-Kit geordert. Bei den FuMess-Geräten gilt es ebenfalls, sich am Vorbild zu orientieren. Dem Bauplan und den beigefügten Bauteilen ist nicht so ohne weiteres zu trauen, was den Darstellungszeitpunkt anbelangt!

Hinsichtlich des Tarnanstrichs bezog ich mich wieder einmal auf das fantastische Buch von Eric Leon und John Asmussen („German Naval Camouflage Vol. 2, 1942 -1945“). Doch der Reihe nach!




Hier die einzelnen Baugruppen der Decksaufbauten, schon im charakteristischen Tarnanstrich, den ich mit Hilfe eines kleinen Schwämmchens per Tupftechnik mit der hellgrauen Farbe erstellt habe. Die verwendeten ModellMaster-Farben eignen sich dazu sehr gut. Die angebrachten Ätzteile kommen von Eduard und von Tom’s Modelwork, wobei ich nahezu die komplette Platine von Eduard verarbeitet habe. Die Tom’s Platinen sind extrem weich und sehr dünn und liegen mir nicht so sehr – ein bissel Stabilität darf‘s auch im Detail schon sein!

Zum ersten Mal habe ich ein Holzdeck verarbeitet, es kommt von Five Star Model aus China und passt prima. Immer wieder wird bei den Schiffsmodellbauern darüber gefachsimpelt, wann man bei der Verwendung eines Holzdecks wohl am besten die fotogeätzte Reling verarbeitet – vor oder nach dem Verkleben des Holzdecks? Wie bereits angemerkt ist mir auch in diesem kleinen Maßstab die Stabilität wichtig. So habe ich vor dem Lackieren des Rumpfes und der Decks die Reling verklebt und erst danach das Holzdeck eingepasst. Lediglich an manchen Stellen musste ich es geringfügig an den Rändern passend beschneiden. Aber halb so wild!



Hier seht ihr den Rumpf, der schon fürs Tarnschema abgeklebt wurde. Dieser Arbeitsschritt wurde zu einer echten Herausforderung, weil ich mich sehr eng am Vorbild des Fachbuchs orientierte. Der „Prinz“ wurde im Zuge seines Aufenthalts in Brest immer wieder neu gestrichen, überstrichen und stellenweise neu getarnt – mehr oder weniger deckend über den alten Anstrichen. Es gab also eine derbe Mischung aus verschiedenen (Tarn-) Anstrichen und Ausbesserungen, die es nun in 1:700 zu übertragen galt.

 

Letztendlich ist es mir aber recht gut gelungen, wie ich finde. Immer wieder überlasieren, antüpfeln, Filter aufsprühen…

Die Fliegersichtfelder/IFF-Kennungen habe ich auf das Holzdeck auflackiert. Besonderheit hierbei war, dass auf dem Hauptdeck die alten HK-Bänder notdürftig entfernt bzw. überstrichen wurden und sich auf der Mitte des HK achtern und auf der Back jeweils eine 2cm Vierlings-Flak befand! Die Fliegerkennungen hatte man etwas versetzt, unmittelbar vor dem Kanaldurchbruch, komplett neu aufgebracht. Ich habe HKs von Peddinghaus verwendet. Die dem Kit beigefügten Decals waren deutlich zu groß und mit den breiten roten Bändern wohl eher dem „Unternehmen Rheinübung“ zugedacht.

Hier sieht man sehr schön die aufgebrachte „Schwämmchen-Tüpfeltarnung“…

 

… und hier die neu gemalte Fliegerkennung neben der alten, verblassten, auf deren Zentrum der Flakvierling thront:

 

Die extrem feinen und wunderbar gestalteten Fla-Waffen aus dem 3D-Drucker von Carl Alsup (3D ModelParts) im Größenvergleich:

 

 An manchen Stellen musste das Holzdeck zusätzlich mit Sekundenkleber fixiert werden, da zu befürchten stand, dass es sich über die Zeit hinweg anheben würde.

 

Die Abdeckkuppeln der Scheinwerferstände am Schornstein sind im Trumpeter-Kit nicht enthalten. Sie stammen aus dem Tamiya-Bausatz und müssen ein wenig angepasst werden. Trumpeter sieht hier die offenen Flak-Stände am Schornstein vor, wie sie zum späteren Zeitpunkt bei der „Prinz Eugen“ zu sehen waren:

 

Die E-Mess- und FuMess-Geräte sollten nach Vorbildlage installiert werden.

 

Hier gut zu sehen: Die korrekten, noch offenen Torpedorohrsätze aus dem Tamiya-Bausatz:

 

Die Arado erfuhr eine deutliche Aufwertung durch die extrem filigrane Verstrebung aus dem Tom’s Ätzteilesatz:


 

Eduard hatte lediglich einen fotogeätzten Propeller beizusteuern. Durch die Anschaffung der Platinen beider Hersteller konnte ich mir von allem das Beste heraussuchen… ist halt um einiges teurer. Die Decals der Arado kommen von Peddinghaus.

Im Folgenden nun einige Detailaufnahmen meines fertigen „Prinzen“! Figuren von Eduard, Rigging von Uschi’s.














 

Die auf diesem Bild gut sichtbaren Platten unterhalb des Rumpfes dienen der Einpassung ins „Wasserbett“. Die für mich neue Art der Wassergestaltung, an die ich mich bei diesem Diorama erstmals wagte, stelle ich euch in Kürze vor.


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