MDD F-4N Phantom II, Tomytec, 1:144

Da nicht alle Modellbaukollegen die ModellFan im Abo haben oder sie sich gelegentlich als Einzelheft kaufen, veröffentliche ich hier auf meiner Seite meinen Bericht, der in der ModellFan im Juni-Heft 2017 erschienen ist.

Als ich gegen Ende des letzten Jahres an Kai Feindt, den Chefredakteur der ModellFan herantrat und ihm von meinen Erfahrungen mit vorlackierten Kits berichtete, war er sofort interessiert. Nach dem Motto "Ist das Kunst oder kann das weg?" fragt man sich als ambitionierter Modellbauer, was man denn mit bereits vorlackierten Bausätzen anfangen soll! Ist das überhaupt etwas für Profis? Die japanische Firma TOMYTEC produziert Eisenbahnmodelle nach japanischen Vorbildern mit dem Fokus N-Spur. Seit einigen Jahren erscheinen in der TOMYTEC  „Gimix“-Serie Flugzeug- und Hubschrauber-Bausätze im Maßstab 1:144, die an Qualität ihresgleichen suchen!

Suchte der US Navy-Enthusiast in der Vergangenheit vergeblich nach vorbildgerechten Modellen zum Beispiel einer F-4 Phantom  im Maßstab 1:144, so stieß er lediglich auf diverses Formenmaterial unterschiedlicher Hersteller aus verschiedenen Jahrgängen, jedoch immer nur in der E-, -F oder –EJ-Version, teils von sehr mäßiger Qualität.

Seit kurzem dürfen wir uns jedoch an den F-4Js und F-4Ns vom Tomytec erfreuen, die an Präzision vom Spritzguss her kaum noch zu toppen sind. Aber: Die Kits sind bereits vorlackiert! Der Leser mag sich nun fragen, ob ein Bericht über vorlackierte Bausätze Sinn macht und in die ModellFan gehört. Ist das überhaupt noch Modellbau im klassischen Sinn oder zählen diese Kits eher zum Bereich der halbfertigen Sammler-Modelle? Ist das vielleicht ein Grund, dass man von diesen Bausätzen bislang kaum etwas gehört bzw. gesehen hat? Oder deshalb, weil sie in Deutschland so gut wie gar nicht zu bekommen sind?

 
(Vorbildfoto: MDD F-4N, Bu.No. 150415, AE/204, USS Franklin D. Roosevelt CVA-42,
National Naval Aviation Museum. Quelle: Wikipedia)

Am Beispiel einer Ikone der militärischen Luftfahrt, der McDonnell-Douglas F-4N Phantom II, hier in der Version eines der bekanntesten Geschwader, der VF-84 „Jolly Rogers“ der US Navy, soll der Bau eines solchen Bonsai-Jets demonstriert werden. Wir wollen sehen, ob der erste Eindruck hält, was die prall mit 136 Bauteilen gefüllte Box verspricht.


 


Zunächst fällt auf, dass diverse Bauteile mehrfach vorhanden sind, wie z.B. Schubdüsen, Fahrwerk, Fahrwerksklappen und einiges mehr. Einige der Teile sind lackiert, andere wiederum nicht. Dies lässt den Schluss zu, dass die unlackierten Teile für andere Versionen der Phantom verwendet werden. Somit wandern die überzähligen Teile später in die Grabbelkiste.

Die Bauanleitung ist sehr übersichtlich und klar gestaltet, sie lässt keinerlei Zweifel über die Platzierung der Bauteile aufkommen. Zur besseren Kenntlichkeit besitzen die Spritzrahmen Buchstabenkennungen, welche das Auffinden der zu verwendenden Teile erleichtern. Alle Spritzlinge sind vorbildlich einzeln in Klarsichttüten verpackt. Sogar zwei Versionen der Kanzel sind vorgesehen, einmal ein Einzelteil für den geschlossenen Zustand, aber auch vier Einzelteile, die geöffnete Kabinenhauben ermöglichen. Auf dem Cockpitrahmen sind sogar die Namen des Piloten und des RIO (radar intercept officer) lesbar gedruckt!


Trotz der kompletten Tamponagebedruckung des Modells sind diesem Bausatz noch zusätzliche Decals beigefügt.


Dies lässt eine Wahl zwischen der Maschine des CAG (Commander Air Group, dem verantwortliche Offizier und Kommandeur des Trägergeschwaders an Bord von Flugzeugträgern) mit der Seriennummer 150438, und der taktischen Kennung AE/200, an Bord der USS Roosevelt 1974, oder seinem Flügelmann mit der taktischen Kennung AE/201, Seriennummer 152253, zu. Meiner Ansicht nach ist der Trägerfilm dieser Wasserschiebebilder allerdings zu dick und deutlich zu groß bemessen. Doch dazu später mehr.

Zunächst werden die für den Rumpf benötigten Teile herausgesucht und trocken angepasst. Sie weisen eine hervorragende Passgenauigkeit auf. Hier wird deutlich, dass zwei rechte Rumpfvorderhälften beiliegen. Das Bauteil Nr. 2 hat gegenüber dem Teil Nr. 1 eine Aussparung unterhalb des Cockpits. Hier lässt sich später die Tanksonde in geöffnetem Zustand anfügen. Bauteil 1 zeigt die geschlossene Abdeckung .


Doch auch ein bereits vorlackiertes Modell lässt sich immer noch verfeinern, zunächst einmal durch ein Andeuten von Instrumenten im Cockpit mittels weißer Farbe, die mit einem Zahnstocher aufgebracht wird.


Die sehr fein mit „ejection handles“ (Griffe zum Auslösen des Schleudersitzes) versehenen Martin Baker MK H7-Sitze bekommen ebenfalls ein wenig zusätzliches Detail. Aus dünn geschnittenen Tamiya-Tape-Streifen werden Sitzgurte gefertigt, die ich auf einer Glasplatte zuschneide.


Nach dem Aufbringen auf den Sitz erhalten die Streifen ein Tüpfelchen Alufarbe, um ihre Gurtschlösser darzustellen.

 

Ein wenig mehr Detail ist auch am Fahrwerk anzubringen: Die Hydraulikzylinder werden mit Alufarbe angedeutet.


Dabei wird das deutlich, dass der Hersteller auch an eine startende F-4 gedacht hat, die ein voll ausgefahrenes Bugfahrwerk aufweist – Bauteil NN2 gibt diesem Zustand vorbildlich realitätsnah wieder.

 

Das Abtrennen der Bauteile vom Ast nehme ich mit einem scharfen Skalpell vor (11), die Verklebung der Bauteile ebenfalls mit einem (anderen) Skalpell und einer Stecknadel. Dabei gebe ich einen Tropfen Sekundenkleber (Cyanacrylat) in einen Kronkorken. Hieraus fällt die fein dosierte Entnahme des problematischen Klebstoffs per Skalpell und Nadel wesentlich einfacher (12,13).

 



Die Schubdüsen haben nach dem Abtrennen vom Gussast ein wenig Farbe eingebüßt und werden nachlackiert. Dabei mische ich mir den passenden Farbton aus Vallejo schwarz und Alu in meinem „Mischwannen- Kronkorken“ so zusammen, dass der Metallic-Farbton stimmt.

 

Anschließend liegen die Hauptbaugruppen schon zur Montage bereit.


Diese gelingt dank der sehr guten Passgenauigkeit problemlos. Einen echten Puristen würde nun die Naht am Übergang der Triebwerkseinläufe zum mittleren Rumpf stören. Ich halte es aber für durchaus vertretbar. Lediglich eine kleine farbliche Retusche nehme ich hier am Zierstreifen über den Rumpfrücken mit Vallejo schwarz vor (siehe Pfeil).


Nach dem Zusammenfügen der Hauptbaugruppen klebe ich das filigrane Fahrwerk samt Klappen ein, anschließend werden die abgetrennten Räder nachbemalt und eingebaut. Die bei Navy-Maschinen typischen roten Kanten an den Fahrwerksklappen werden mit einem superfeinen 10/0er-Pinsel und Revell matt rot gezogen.


 

Eine Probeanpassung der Tanks zeigt unangenehme Spalten, die ich so nicht belassen möchte. Um die feinen Details an den Tanks nicht durch rohes Abschleifen der Farbe zu zerstören, lege ich sie über Nacht in ein Bremsflüssigkeitsbad. Am anderen Tag lässt sich die Farbe leicht mit einer alten Zahnbürste abschrubben, die Tanks sind glatt und ebenmäßig. Die unschönen Nähte werden verspachtelt und verschliffen, die Panels neu mit einem fotogeätzten Sägeblatt graviert, anschließend mit Vallejo weiß per Airbrush lackiert.

 



Da ab Werk die Gravuren der F-4 bereits mit einem leichten Washing versehen sind, muss nach der Spachtel- und Schleifprozedur der Tanks ein wenig nachgearbeitet werden, um den Gesamteindruck der Phantom beizubehalten. Eine Schicht Tamiya-Klarlack sichert die Basisfarbe der Tanks vor einem Pin-Washing. Ölfarbe von Schminke ergibt mit Waschbenzin verdünnt eine graue Brühe. Schwarz wäre als Washing auf weißer Grundfarbe ein zu harter Kontrast, daher eine graue Tönung (22). Mit einem feinen Pinsel läuft das Washing problemlos in die feinen Gravuren (23). Schon nach sehr kurzer Wartezeit wird überschüssige Farbe mit einem Papiertaschentuch einfach weggewischt, sie bleibt lediglich in den Vertiefungen haften. Das anschließende erneute Sichern mit Klarlack von Tamiya soll verhindern, dass der abschließende Mattlack von Revell die ölfarbenbasierende Washing-Mixtur aus den Gravuren wieder herauslöst.



Schließlich erhält der Zentraltank seine geschwadertypische gelbe Spitze wieder, wie sie bereits im Bausatz vorgesehen war.

Die Trägerschienen für die AIM-9D Sidewinder-Raketen passen nicht ohne weiteres in die inneren Pylone der F-4. Hier müssen die Aussparungen ein wenig erweitert werden.


Unbedingt ist darauf zu achten, dass bei den Navy-Maschinen an den inneren Stationen ausschließlich die spitz zulaufenden Pylone verwendet wurden (Bauteile NN-3 und 4)! Die Pylone aus dem Kit mit der Nummer E-1 und E-2 mit dem abgerundeten Rücken wurden nur bei den USAF-Phantoms verwendet! Hier passiert leicht eine Verwechselung, zumal die Air Force-Pylone bereits ebenfalls weiß lackiert sind!

Gleichzeitig werden jene Bereiche mit Klarlack behandelt, auf welche die beigefügten taktischen Kennungen und Seriennummern der Maschine aufgebracht werden sollen.


Mit ein wenig Mr. Mark Softener Weichmacher von Gunze fügen sich diese problemlos an. Die sehr kleinen taktischen Nummern am Leitwerk und auf der vorderen Fahrwerksklappe sollten jedoch beschnitten werden, da der Trägerfilm unangemessen groß ist und über den Bereich des Bauteils deutlich hinausragt. Eine erneute Schicht Klarlack soll ein Silbern der Decals verhindern. Auch die winzigen Antennen werden nun platziert (26), ebenso die Einstiegsleiter, die in geöffnetem und geschlossenem Zustand dargestellt werden kann(27).



Zu guter Letzt bekommt die gesamte Maschine einen matten Abschlusslack von Revell. Ich bin sicher, dass sich an dieser Stelle bei manchem ein wenig Widerspruch rührt, aber die Frage, ob US Navy-Maschinen ein glänzendes, seidenmattes oder mattes Finish erhalten sollen, grenzt fast schon ans Philosophische. Ich habe mich seit Jahren für die matte Variante entschieden, nachdem mir seidenmatte Decklacke in diesem kleinen Maßstab einfach nicht zusagten.


Als abschließende Arbeiten bleibt noch das Anbringen der Kanzelverglasungen übrig. Diese verklebe ich mit UHU 2K Sofortfest. Bei spärlicher Nutzung des Klebers auf den Bauteilen setze ich diese erst an, wenn der Kleber im Begriff ist abzubinden.


So wird ein Herausquellen überschüssigen Klebers nahezu ausgeschlossen. Kleine farbliche Retuschen sind noch an den Rahmen der Cockpithauben erforderlich, die mit Vallejo schwarz und aufgehelltem grau erledigt werden. Um ein einheitliches Finish zu bekommen und letzte glänzende Kleberspuren zu beseitigen, lackiere ich noch die Cockpitrahmen mit Revell Mattlack über. Somit wäre der Bau der vorlackierten F-4N von Tomytec abgeschlossen.






Der aufmerksame Leser wird sich fragen, warum ich keine Außenlasten montiert habe, liegen doch dem Bausatz sehr fein detaillierte AIM-7E Sparrow- und AIM-9D Sidewinder-Raketen bei. Der Grund: Ich wollte mit dieser Maschine eine Belade-Szene darstellen, in der die F-4 an Bord ihres Trägers ihre Lenkwaffen erhält. Der Flügelmann ist bereits aufmunitioniert, am Vogel des Staffelchefs sind die Warte noch zugange. Hierzu habe ich die wunderschön detaillierten, jedoch sündhaft teuren Figuren aus dem 3D-Drucker von Dameya (Japan) verwendet. Hier meine kleine Szene, die mit extrem wenig Platz auskommt und dennoch absolut stimmig und aussagekräftig ist - natürlich miz deutlich mehr Fotos, als zur Veröffentlichung in der ModellFan möglich waren:

 



















Ich höre natürlich auch quasi schon eure Fragen: "Woher kommtt das Zubehör, woher die Figuren??? Hier sind doch andere und mehr Figuren abgebildet als in der ModellFan!" Korrekt! Mit einiger Verspätung zum Artikel erreichten mich die bestellten Figuren und Schlepper aus dem 3D-Drucker von Dameya, Japan. Dort sind derzeit fünf verschiedene Sets erhältlich:

1.)  Kit FDD-002: Der aktuelle Decksschlepper der US Navy vom Typ A/S-32A-31A, der in einer kurzen Version und einer Variante mit angehängtem Lüfteraggregat dem Kit beiliegt. Mit im Kit: Der A/S-32A-32A Hangardeckschlepper, den es in 1:144 aktuell ausschließlich von diesem Hersteller gibt. Diese modernen Schlepper fanden bei meinem Diorama jedoch keine Verwendung, da sie nicht in den dargestellten Zeitrahmen passen. Abgebildet sind hier zusätzliche Figuren von Century Wings und Shapeways, ferner die MD-3-Schlepper und das Feuerlöschfahrzeug A/S32P-25 von Brengun (vgl. auch Bericht in MF10/2016, S.20 ff). Dem Kit liegen sogar Lackiermasken bei, was sich insbesondere beim A/S-32A-31A als sehr erleichternd herausstellt!





2.) 
Kit FDD-014: 8 Figuren zum allgemeinen Decksbetrieb, vielfältig einsetzbar.





3.) 
Kit FDD-015: 8 Figuren, davon 3 als Besatzung des Feuerlöschfahrzeugs, 3 Figuren zu Startvorbereitungen und zwei „Checker“, die vor dem Start den Heckbereich der Maschinen überprüfen.



4.)  Kit FDD-025: 3 Figuren, die eine Rakete tragen und zwei Lenkwaffentrolleys. Die zur Vervollständigung der Szene notwendigen Lenkwaffen muss man jedoch aus der eigenen Grabbelkiste oder aus einem Zubehörset beisteuern.



5.) 
Kit FDD-026): 3 Figuren und zwei Bombentrolleys, auch hier unbeladen.






Und schließlich habe ich noch diese Figuren verwendet, die von Shapeways kommen:

 

Mein Fazit:

Der hierzulande noch sehr unbekannte Hersteller Tomytec aus Japan legt eine wunderbare F-4 Phantom II vor, wie sie sich der Modellbauer des Bonsai-Maßstabs schon seit vielen Jahren gewünscht hat. Im Detail absolut korrekt, was die technischen Unterschiede zwischen den einzelnen Versionen angeht. Dennoch ist man versucht, den Bausatz als unlackierte Version zu fordern, gibt es doch eine Menge an Decals auf dem Aftermarket, welche die Erstellung von Maschinen verschiedenster Staffeln ermöglichen würden. Einen bereits lackierten Bausatz für eine Neulackierung abzubeizen ist nicht jedermanns Sache. Zudem ist dafür der Anschaffungspreis zu hoch. So freuen sich sicher über diese (vor-) lackierten Bausätze in erster Linie die F-4-Fans und die Modellbauer von US Navy-Flugzeugen im kleinen Maßstab, die sich mit den zurzeit vier erhältlichen US Navy-Versionen zufrieden geben. Vom gleichen Hersteller sind aktuell deutlich mehr Versionen von Jets der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte (JASDF) erhältlich, hier auch eine Vielzahl anderer Typen.

Ganz ohne ist der Bau dieser Modelle dann doch nicht, diese Bausätze sprechen eher den bereits erfahrenen Modellbauer an und verlangen ihm einiges ab. Denn lackierte Modellbauteile zusammenzufügen erfordert ein äußerst sauberes Arbeiten mit einem problematischen Klebstoff, dem „Sekundenkleber“. Die Spachtelmasse darf getrost in der Tube bleiben, Pinsel und Farbe sind an manchen Stellen gefordert – trotz der gelungenen Vorlackierung. In Ergänung mit den filigranen Figuren und dem Zubehör von Dameya aus dem 3D-Drucker und Produkten anderer Hersteller gelingen sehr stimmige Szenen vom alltäglichen Decksbetrieb auf US Navy-Flugzeugträgern bei minimalem Platzbedarf!


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